Versorgungssicherheit chronisch kranker Menschen: PRAEVENIRE Präsident Schelling fordert rasche Ausrollung digitaler Lösungen

Die Österreicherinnen und Österreich werden immer älter. Jedoch gibt es Aufholbedarf im Bereich chronischer Erkrankungen. Digitales Disease-Management muss jetzt ausgeschöpft werden, fordern Schelling und Ärztekammer – trotz und gerade wegen Corona. 

Weiterführende Informationen zum Weißbuch-Themenkreis „Versorgungs- und Gesundheitsziele“ finden Sie unter folgendem Link.

Die Sicherstellung einer solidarischen Gesundheitsversorgung ist ein Grundbedürfnis des Menschen und gilt als oberstes Ziel eines erfolgreichen Gesundheitssystems. PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling zufolge müsse trotz der steigenden Coronazahlen, die das Gesundheitssystem derzeit dominieren, auch jenen Patientengruppen die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt werden, die in der COVID-Diskussion unterzugehen drohen. In Österreich liegt die Lebenserwartung von Frauen im Schnitt bei 84 Jahren, von Männern bei 79 Jahren. Davon verbringen Frauen knapp 67 Jahre und Männer knapp 66 Jahre in guter bis sehr guter Gesundheit. Eine kontinuierliche Verbesserung der gesunden und qualitätsvollen Lebensjahre ist in den Gesundheitszielen Österreich prioritär verankert. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen jedoch insbesondere im Umfeld chronisch erkrankter Menschen wichtige Aspekte in gesundheitspolitische Überlegungen integriert werden. Derzeit leben in Österreich rund 2,5 Millionen Menschen mit dauerhaften Gesundheitsproblemen.  

Chronische Erkrankungen: Hoher Aufholbedarf für Österreich

Um eine langfristige und effiziente Versorgungssicherheit zu gewährleisten, empfiehlt die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 im Rahmen ihres kürzlich erschienenen Weißbuchs „Zukunft der Gesundheitsversorgung“, u.a. ein stärkeres Augenmerk auf Menschen mit chronischen Erkrankungen zu richten. Am Beispiel von Diabetes wird beobachtet, dass Österreich im europäischen Vergleich in der Behandlung hinterherhinkt. Die Zahl der Amputationen aufgrund von Diabetes liegt deutlich über dem Niveau anderer Länder. Beispiele aus Dänemark und den Niederlanden zeigen, dass mit multiprofessionellen Diabetesversorgungszentren und der Förderung von innovativem Wundmanagement gute Behandlungsergebnisse erzielt werden. Dies sowie bestehende Disease-Management-Programme gilt es daher in Österreich auszubauen. 

Digitale Möglichkeiten ausschöpfen

Mithilfe digitaler Lösungen sowie Modulen (e-Medikation), die bereits in ELGA integriert sind, kann zudem eine gezieltere Abstimmung der Arzneimitteltherapie zwischen extra- und intramuralem Bereich erfolgen, um eine einfachere Versorgung für Patientinnen und Patienten zu erreichen. „Das während der Pandemie ermöglichte ´e-Rezept Light´, das eine telefonische Verschreibung sowie die Übermittlung des Rezepts per e-Medikation, Mail oder Fax an die Apotheke erlaubte, sowie die digitale Krankmeldung sind als administrative Vereinfachungen beizubehalten – auch über den Zeitraum der Pandemie hinweg. Das e-Rezept als Anwendung des e-Card Systems ist in Vorbereitung und soll 2021 konsequent und rasch ausgerollt werden“, fordert Schelling. 

A.o. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, PhD, Präsident der Österreichischen Ärztekammer und der Ärztekammer für Wien, führt fort: „Die Ärztekammer unterstützt die Initiativen, die e-Medikation zu stärken. In diesem Zusammenhang sollten die Träger von Krankenanstalten mehr in die Pflicht genommen werden, ihre Medikationsdaten auch in die e-Medikation verpflichtend einzumelden. Natürlich vorausgesetzt, dass es dabei zu keiner zusätzlichen Bürokratie für die Spitalsärztinnen und Spitalsärzte kommt. Diese brauchen dringend wieder mehr Zeit für ihre eigentlich ärztlichen Aufgaben.“

„COVID darf uns nicht davon abhalten, über Zukunftsthemen zu sprechen und uns um qualitätsvolle Regelversorgung zu kümmern. Die Politik ist jetzt gefordert, in die Umsetzung zu kommen, um eine solidarische Gesundheitsversorgung für jeden Menschen sicherzustellen“, appelliert Schelling. 

PRAEVENIRE Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ an Bundes- und Landesregierungen überreicht

Gemeinsam mit mehr als 500 Gesundheitsexpertinnen und –Experten erarbeitete PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling neue Lösungsmodelle für das österreichische Gesundheitssystem. Im Fokus des Weißbuchs mit konkreten Handlungsempfehlungen für Bundes- und Landesregierungen steht die Entwicklung einer Strategie, wie ein modernes und krisenfestes Gesundheitssystem für die österreichische Bevölkerung erhalten und auf ein nächstes Level transferiert werden kann.

Das Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ wurde im Oktober 2020 Bundeskanzler Sebastian Kurz, Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer und Nationalratspräsident Mag. Wolfgang Sobotka überreicht.

Weiterführende Informationen zum Weißbuch-Themenkreis „Versorgungs- und Gesundheitsziele“ finden Sie unter folgendem Link.

Fotocredit: PRAEVENIRE/APA-Fotoservice/Rastegar

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