Statements der Pressekonferenz über den Zwischenbericht zum Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“

Dr. Hans Jörg Schelling

Präsident des Vereins PRAEVENIRE

Um auch in Zukunft ein leistungsfähiges Gesundheitssystem mit der besten medizinischen Versorgung für die österreichische Bevölkerung zu gewährleisten, müssen wir im System Veränderungen durchführen. Wir werden in Zukunft nicht nur die Qualität sondern auch die Quantität der Versorgung sicherstellen müssen. Diese Entwicklungen aufzunehmen, durchzudenken und sich die Konsequenzen bewusst zu machen ist der Ansatz von PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030.

Der Verein PRAEVENIRE hat sich das Ziel gesetzt, ein Wegweiser in die Zukunft zu sein und hat dafür die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 im Mai 2019 gestartet. Zeitgerecht für die Regierungsverhandlungen soll mit den aus der bisherigen Erarbeitung entstandenen ersten Essenzen ein Anstoß gegeben werden, wie ein modernes, zukunftsorientiertes Gesundheitssystem aussehen soll. Gemäß dem Grundsatz des Vereins PRAEVENIRE — Gesellschaft zur Optimierung der solidarischen Gesundheitsversorgung, dass es um Menschen und nicht um Systeme geht, stehen bei allen Überlegungen immer die Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt. Davon ausgehend muss definiert werden, was benötigen diese wann, wo, von wem und in welcher Form.

In den nächsten Monaten wird die Arbeit für die Erstellung des Weißbuchs in den 15 Themenkreisen fortgesetzt, indem die Interviews mit Expertinnen und Experten abgeschlossen und die Inhalte in den einzelnen Kapiteln ausgearbeitet und in weiterer Folge in den jeweiligen Arbeitsgruppen diskutiert werden. Im Mai 2020 werden wir das Weißbuch präsentieren und an die Bundesregierung und die Landesregierungen übergeben. Es ist ein Wegweiser mit Handlungsempfehlungen für die Politik zur Sicherung und Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheitssystems.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres

Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Mitglied des wissenschaftlichen PRAEVENIRE-Beirats

Unbesetzte Kassenplanstellen, überlastete Spitäler, eklatante Lücken beim Personal bei einer gleichzeitig steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung: Das sind nur einige der gesundheitspolitischen Herausforderungen, mit denen sich Österreich in den nächsten Jahren wird befassen müssen.

Deshalb unterstützt die Wiener Ärztekammer die Erstellung eines Weißbuches „Zukunft der Gesundheitsversorgung“. Zentraler Punkt ist für mich dabei die Aufrechterhaltung der ausgezeichneten medizinischen Versorgung in Österreich. Um das zu erreichen, braucht es aber mehr Geld im System. Die Ärztekammer fordert daher eine Anhebung des BIP-Anteils für das Gesundheitswesen auf 12 Prozent. Damit orientieren wir uns an den Nachbarländern Deutschland und der Schweiz. Denn dort werden zusätzliche Ausgaben in Milliardenhöhe veranschlagt, die uns die Nachbarländer bei der Finanzierung des Gesundheitssystems voraushaben. Wenn wir hier nicht schritthalten, verliert das österreichische Gesundheitswesen den Anschluss.

Auch muss der Arztberuf in Österreich an Attraktivität gewinnen. Angesichts eines drohenden Ärztemangels und des europaweiten Wettbewerbs um Ärztinnen und Ärzte fordern wir daher attraktive Leistungskataloge der heimischen Krankenkassen, weniger Bürokratie sowie mehr Delegation an andere Gesundheits-, Sozial- oder Administrationsberufe.

Dr. Gerald Bachinger

Niederösterreichischer Patienten- und Pflegeanwalt, Sprecher der Österreichischen Patientenanwälte, Mitglied des wissenschaftlichen PRAEVENIRE-Beirats

Es wird zwar bei jeder Gesundheitsreform die Patientenorientierung in den Mittelpunkt gestellt, aber ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Erfolge überschaubar sind. Eine Ausrichtung des Gesundheitssystems von einer bestehenden deutlichen Institutionenorientierung zu einer wirklichen Patientenorientierung ist noch ausständig und ist nach wie vor eine große Herausforderung.

Patientenorientierung ist durch vier „Bausteine“ gut zu umschreiben:

  • Was brauchen die Patientinnen und Patienten?
  • Wann brauchen es die Patientinnen und Patienten?
  • Wo brauchen es die Patientinnen und Patienten?
  • Wie brauchen es die Patientinnen und Patienten?

Was brauchen die Patientinnen und Patienten ist in einem komplexen und von disruptiven Entwicklungen geprägten Gesundheitssystem schwer zu definieren und festzumachen. Ein erster Schritt ist, auf die Patientinnen und Patienten zu hören, sie einzubeziehen und sie partizipieren zu lassen. Das bedeutet, dass sämtliche neue, auch digitale Möglichkeiten der Patienten- und Bürgerpartizipation einzusetzen sind und dass endlich ein wesentlicher Schritt zu Transparenz im Gesundheitswesen erfolgt.

In weiterer Folge muss aber eine Objektivierung von der Bedürfnis- auf die Bedarfsebene gegangen werden.

Bestmögliche, bedarfsgerechte Betreuung und Versorgung hat vier Säulen:

  • innovativ, qualitätsvoll, integriert, sektorenübergreifend und auf dem aktuellen Stand der Medizin gegründet,
  • ohne unzumutbare Wartezeiten,
  • wohnortnahe Versorgung und
  • Versorgung mit einem Höchstmaß an Empathie und zwischenmenschlichen Fertigkeiten.

Versorgungsmodelle der Zukunft müssen regional aufgebaute, integrierte und abgestimmte Versorgung aus einer Hand anbieten.

Patientenorientierung ist eine Aufgabenstellung des Gesundheitssystems, der Gesundheitseinrichtungen und der Gesundheitsberufe. Besonders die Gesundheitsberufe müssen ihre berufsständischen Silos überwinden und ihre fachlichen Kompetenzen zum Wohle der Patientinnen und Patienten bündeln. Ergänzend können aber die Patientinnen und Patienten einen wesentlichen Beitrag mit guter Gesundheitskompetenz und Eigenverantwortlichkeit leisten.

Damit Patientinnen und Patienten ihre Eigenverantwortlichkeit wahrnehmen können, müssen sie unterstützt, motiviert und mit entsprechenden Werkzeugen und Hilfsmittel ausgestattet werden. Eine gute Gesundheitskompetenz trägt dazu bei, dass Menschen im Alltag gesund leben, ihre Gesundheit erhalten und sich im Krankheitsfall die richtige Hilfe holen. Sie ist aber auch der Schlüssel zu einer hohen Lebensqualität und zu zusätzlichen gesunden Lebensjahren.

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Die PRAVENIRE Gesundheitstage 2020 in Seitenstetten finden nun vom 14. bis 16. Oktober 2020 statt.

Für uns hatte und hat, insbesondere als „Gesundheitsforum PRAEVENIRE“, die Gesundheit aller Teilnehmenden, der Vortragenden, Mitwirkenden und natürlich unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach wie vor höchste Priorität. „Die Gesundheitstage 2020 ausfallen zu lassen, war aber keine Option für uns“, betont PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling. Sämtliche Vorarbeiten, ExpertInnengespräche und Gipfelgespräche für das Weißbuch „Initiative Gesundheit 2030“ sind, nicht zuletzt durch den engagierten Einsatz von Videokonferenzen, bereits so weit fortgeschritten, dass wir uns entschlossen haben, die PRAEVENIRE Gesundheitstage 2020 in Seitenstetten auf den Zeitraum 14. bis 16. Oktober zu verschieben. Wir sind sicher, dann bereits ein für alle Beteiligten „sicheres“ Umfeld bieten zu können. Wir werden die kommenden Wochen auch dafür nützen, das PRAEVENIRE-Programm zu aktualisieren.

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