Schelling: Gesundheitskompetenz muss vom Kindergarten bis ins Pensionsalter auf- und ausgebaut werden

Gesundheitsexpertinnen und –experten sehen in einem gesteigerten Gesundheitswissen den Schlüssel zu mehr gesunden Lebensjahren

Internationale Vergleiche zeigen, dass eine Steigerung der individuellen Gesundheitskompetenz zu mehr gesunden Lebensjahren führt und das Gesundheitssystem damit gesamtwirtschaftlich entlastet wird. „Wer über ausreichend Gesundheitswissen verfügt, kann für sich und seine Familie eigenverantwortlich die besten Gesundheitsentscheidungen treffen“, betont PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling. Im EU-Vergleich ist die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Österreich allerdings nur wenig ausgeprägt — nicht nur bei Erwachsenen sondern insbesondere auch bei Kindern und Jugendlichen. „Gesundheitskompetenz bedeutet, dass Menschen über das Wissen, die Motivation und die Fähigkeit verfügen, um für sie relevante Informationen über ihre Gesundheit zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden. Das betrifft Prävention und Gesundheitsförderung ebenso wie Krankheitsbehandlungen. Dadurch können im eigenen Leben gute Entscheidungen zur Verbesserung und dem Erhalt der Gesundheit getroffen werden“, definiert Dr. Eva Höltl, Arbeitsmedizinerin und Leiterin des Gesundheitszentrums der Erste Bank Group AG sowie Sprecherin der Aktion „Österreich Impft“, den Begriff Gesundheitskompetenz.

„Die gesundheitspolitische Steuerung von Health Literacy ist auf allen Ebenen einzubringen — von der Elementarpädagogik über die Arbeitswelt bis ins Pensionsalter“, fordert Schelling. Daher empfiehlt die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 folgende drei Optimierungsprogramme mit konkreten Handlungsempfehlungen.

  • Gesundheitskompetenz der Kinder und Jugendlichen stärken

Gesundheitskompetenz für Kinder startet bei den werdenden Eltern. Diese müssen im Zusammenspiel mit Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen, Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit und finanziellen Anreizsystemen dahingehend informiert und motiviert werden, gesundheitsfördernde und präventive Maßnahmen für ihr Kind zu beanspruchen.

Die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 fordert die Etablierung des Unterrichtsfaches „Gesundheitskompetenz“. Dieses soll breit gefasst sein und Themen wie Ernährung, Bewegung, Hygiene, Erste Hilfe, Wundversorgung, den Schutz vor Infektionskrankheiten, die Wirkungsweise von Impfungen, sowie Wissensvermittlung zum Thema Self Care beinhalten.

Darüber hinaus braucht es eine öffentliche Sensibilisierung für die Potenziale der Self Care, das dem Trend in Richtung eines individuellen Gesundheitsmanagements in der Bevölkerung entgegenkommt.

  • Bestehende Systemstrukturen aktiv nutzen

Systemstrukturen wie Kindergärten, Schulen, Betriebe, Seniorenwohnheime etc. bieten die idealen Voraussetzungen für die lebenslange Vermittlung von Health Literacy und sollen für die Vermittlung von basaler Gesundheitskompetenz und Wissensvermittlung aktiv genutzt werden. Es benötigt eine Stärkung und Aufwertung der Hygieneteams in den Krankenhäusern, um zielgerichtete und effektive Maßnahmen zur Bekämpfung gesundheits-systemassoziierter Infektionen nachhaltig und durchgängig umsetzen zu können.

  • Gesundheitskompetenz in Unternehmen ausbauen

Die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 fordert den Ausbau der betrieblichen Gesundheitsförderung. Dabei müssen psychische Gesundheitsthemen den gleichen Stellenwert erlangen wie physische Thematiken. Beispielsweise ist die Burnout-Prävention aus einer ganzheitlichen Perspektive zu betrachten.

  • Individuelles Gesundheitsmanagement stärken

Untersuchungen zeigen, dass erfolgreiche Gesundheitskompetenz auf positiv gestalteter Kommunikation beruht. „Eigenverantwortung muss gestärkt werden, die Bürgerin bzw. der Bürger darf dabei nicht alleingelassen werden“, betont Dr. Gerald Bachinger, NÖ PatientInnen- und Pflegeanwalt und Sprecher der österreichischen Patientenanwälte. Außerdem brauche es eine öffentliche Sensibilisierung für die Potenziale der Self Care, das dem Trend in Richtung eines individuellen Gesundheitsmanagements in der Bevölkerung entgegenkommt „Gerade um Prävention zu stärken, ist ein Blick zu unserem Nachbarn interessant: Das Deutsche Präventionsgesetz, das 2015 in Kraft trat, regelt die Zusammenarbeit der Akteurinnen und Akteure in der Prävention und Gesundheitsförderung. Dieses ist in drei Bereiche gegliedert: gesund aufwachsen, gesund leben und arbeiten sowie gesund älter werden“, regt Eva Höltl an.

Für eine Stärkung der Gesundheitskompetenz im Ausbildungswesen tritt auch Dr. Reingard Glehr, Allgemeinmedizinerin, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin in der Allgemeinmedizin und Sprecherin der Initiative „Österreich impft“, ein. „Das fängt bereits im Kindergarten und in der Volksschule an: vom gesunden Apfel, der Zahnhygiene bis hin zum Schutz vor Infektionskrankheiten und Erklärung der Wirkungsweise von Impfungen“, so Glehr. Zudem sei es aus ihrer Sicht wichtig, schon ab der Schule, über das psychologische Angebot zu informieren und psychische Erkrankungen nicht zum Tabuthema zu machen.

„Beratungsleistungen kosten Zeit und sind in den Leistungskatalogen von Ärztinnen und Ärzten und Gesundheitsberufen entsprechend abzubilden. Leistungen zur Steigerung der Gesundheitskompetenz müssen honoriert werden“, appelliert Schelling abschließend.

PRAEVENIRE Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ an Bundes- und Landesregierungen überreicht

Gemeinsam mit mehr als 500 Gesundheitsexpertinnen und –experten erarbeitete PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling neue Lösungsmodelle für das österreichische Gesundheitssystem. Im Fokus des Weißbuches steht die Entwicklung einer Strategie, wie ein modernes und krisenfestes Gesundheitssystem für die österreichische Bevölkerung erhalten und auf ein nächstes Level transferiert werden kann.

Das Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“, das konkrete Handlungsempfehlungen für die Bundes- und Landesregierungen gibt, wurde im Oktober 2020 Bundeskanzler Sebastian Kurz, Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer und Nationalratspräsident Mag. Wolfgang Sobotka überreicht.

Weiterführende Informationen zum Weißbuch-Themenkreis „Ausbildung“ finden Sie unter folgendem Link: Weißbuch-Kapitel „Gesundheitskompetenz“

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