Priority: Österreichs Onkologie-Forschung im Mittelpunkt

Ein Status quo mit großem Potenzial nach oben
Die Onkologie ist aktuell ein „heißes“ Gebiet der Medizin. Das lässt sich schon allein daraus ablesen, dass Entwicklungen wie die personalisierte Medizin oder die neue Immuntherapie gerade auf diesem Gebiet entstanden sind. Wenn sich aber die Onkologie als Modell für die Medizin-Megatrends des 21. Jahrhunderts eignet, ist es umso mehr gerechtfertigt, Stand und Potenzial in Österreich zu beleuchten. Genau das wird diese Kolumne in Zukunft anhand der Darstellung österreichischer Studien tun – eben zeigen, was Onkologie in diesem Land bedeutet.

Vorweg: Es gibt einiges zum buchstäbli- chen Herzeigen. Die Zahl der von öster- reichischen Wissenschaftern publizierten Studien auf dem Gebiet der Onkologie hat sich deutlich erhöht. Das lässt sich mit den Daten von PubMed gut belegen. Hier nur ein paar Zahlen zu den Studien- publikationen, großteils der MedUnis in Wien, Graz und Innsbruck: 2007 wurden von Grazer Wissenschaftern 118 Papers im Zusammenhang mit Krebsforschung veröffentlicht. In Innsbruck waren es 120, in Wien 403. 2017 schafften Grazer Wissenschafter 391 Veröffentlichungen, Innsbrucker Krebsforscher 319, aus Wien stammten 1.344.

Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski, so- wohl Koordinator des Comprehensive Care Centers von MedUni Wien/AKH als auch jener des neu entstandenen Vienna Cancer Centers (VCC; Einbindung der onkologischen Abteilungen der anderen Wiener Spitäler), weist in seinen Unterla- gen für „cancer-related“ Studien, die von Wissenschaftern der MedUni Wien pub- liziert worden sind, sowohl von 2013 auf 2014 (398/654) als auch von 2016 (811) auf 2017 (1.392) sprunghafte Anstiege aus.

Onkologie: bessere Performance als andere Fachgebiete
Dabei erlebt die österreichische Onkologie einen besseren Trend in der Forschungs- leistung als andere medizinische Fachge- biete. Die Zahl der in Österreich durch- geführten klinischen Studien ist seit 2008 (360; Anm.) um 24 Prozent zurückgegan- gen (2016: 259; Anm.). Das zeigte sich mit einem Minus von zehn Prozent zwischen 2013 und 2016 auch bei den industriegesponserten klinischen Prüfungen. In der Onkologie hat es hingegen zwischen 2013 und 2016 einen Zuwachs um 16 Prozent gegeben.

Sicher hat die Einrichtung der Comprehensive Cancer Center in Wien, Graz und Innsbruck zu der Entwicklung beigetragen. Zusätzlich ist der Bedarf an klinischen Studien gerade in der Onkologie explodiert. „Es sind derzeit 6.000 Medikamente für die Onkologie in Entwicklung. 800 bis 900 befinden sich bereits in verschiedenen (klinischen; Anm.) Vergleichsstudien zu etablierten Therapien“, sagte Zielinski vor Kurzem.

Keine Spitzenmedizin ohne Forschung!

Spitzenmedizin ist abhängig von der Forschung. „Innovation ist unverzichtbar, um den Standard aufrechtzuerhalten“, sagte dazu Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant, Chef der Universitätsklinik für Chirurgie in Wien (MedUni/AKH) und ABCSG-Präsident. Eine am internationalen Spitzenstandard orientierte Krebstherapie für Patienten sei ohne gleichzeitige Forschung nicht mehr möglich. Klar: Wer nicht Wissenschaft betreibt, nimmt an keinen Studien teil, sammelt nicht die Expertise für die Anwendung modernster und innovativster onkologischer Strategien. Grundlagenforschung, translationale Forschung, Tumorboards, CCC-Units (z. B. Brustkrebs, kolorektaler Krebs usw.), Forschungscluster (z. B. Genetik und Epigenetik), Plattformen für Themen wie Drug- & Target-Screening oder Pflegeforschung in der Onkologie und die maßgebliche Beteiligung an internationalen klinischen Studien spielen hier zusammen.

Potenzial nach oben? Aber ja! Und dringend. „In Österreich wird die klinische Forschung zu weniger als einem Prozent durch die öffentliche Hand gefördert. In der EU sind es elf Prozent – und in den USA die Hälfte“, hat Gnant einmal publikumswirksam klargestellt.

Wie wär’s mit einem Sprung nach vorn?

Wolfgang WAGNER
Gesundheitsjournalist

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