Priority: IMpassion130: Es tut sich etwas beim triple-negativen Brustkrebs

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Erstmals konnte ein internationales Autorenteam in der IMpassion130-Studie mit österreichischer Beteiligung von einer Verbesserung des progressionsfreien Überlebens (Progression-free Survival, PFS) und des Überlebens durch eine Immun-Chemotherapie berichten. Dies ist auch der erste Nachweis für einen Benefit durch eine Immun-Checkpoint-Blockade beim Mammakarzinom.

Die antihormonelle Therapie beim Hor- monrezeptorpositiven Mammakarzinom und die Anti-HER2-gerichtete Behandlung (Trastuzumab) haben die Prognose für viele Patientinnen mit solchen Erkrankungen extrem verbessert. Viele Jahre aber galt das triple-negative Mammakarzinom als medizinisches Problem, das nicht zu knacken war. Im metastasierten Stadium betrug die mediane Lebenserwartung der Erkrankten (die Hälfte darüber, die Hälfte darunter) nur zwischen zwölf und 15 Monaten.

„Diese Tumore betreffen besonders jüngere Patientinnen. Die Erkrankung ist aggressiver. Insgesamt leiden rund 12 Prozent der Patientinnen mit Brustkrebs an dieser Form des Mammakarzinoms. 10 bis 15 Prozent der Betroffenen gehören zu den Mammakarzinompatientinnen mit einem vererbten Risiko für die Erkrankung“, sagte Univ.-Prof. Dr. Günther Steger, Klinische Abteilung für Onkologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien/AKH Wien. An den sehr beschränkten Therapiemöglichkeiten in solchen Fällen sollte IMpassion130 buchstäblich rütteln. Im Rahmen der von Roche/Genentech gesponserten randomisierten Studie – Steger war der Österreich-Koordinator mit sechs beteiligten Abteilungen (von ingesamt 246 Zentren in 41 Staaten) – erfolgte bei 902 Patientinnen eine Behandlung mit dem Immuntherapeutikum Atezolizumab (PD-L1-Checkpoint-Inhibitor zur Reaktivierung der T-Zellen) in Kombination mit Nab-Paclitaxel oder eine alleinige Chemotherapie mit Nab-Paclitaxel plus Placebo. Die beiden Gruppen waren gleich groß.

Die mediane Beobachtungszeit belief sich auf 12,9 Monate. Die primären Endpunk- te waren das PFS und das Gesamtüberleben. Die Analyse der Ergebnisse erfolgte für die Gesamtgruppe der Patientinnen und für die Gruppe der Patientinnen mit PD-L1-positiven Karzinomen (PD-L1-Oberflächenmarker auf mehr als einem Prozent der Tumorzellen). Letztere sollten auf eine Immun-Checkpoint-Inhibition besonders gut ansprechen. Die Resultate waren ausgesprochen positiv. Die Kombinationstherapie reduzierte das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung oder den Tod um 20 Prozent. Bei den PD-L1-positiven Patientinnen wurde dieses Risiko um 38 Prozent verringert. In der gesamten Studienpopulation wurde ein medianes PFS von 7,2 Monaten bei Behandlung mit beiden Medikamenten erreicht, in der Placebogruppe waren es 5,5 Monate. Das war statistisch signifikant. In der PD-L1-positiven Gruppe betrug das PFS unter Immun-Chemotherapie 7,5 Monate, in der Placebogruppe hingegen nur fünf Monate. Der Unterschied war statistisch hoch signifikant.

Zum Zeitpunkt der Analyse lag die durchschnittliche Überlebenszeit der Patientinnen mit Immun-Chemotherapie bei 21,3 Monaten. In der Vergleichsgruppe waren es 17,6 Monate. Unter den PD-L1-positiven Patientinnen lag die durchschnittliche Überlebenszeit bei 25 Monaten, in der Vergleichsgruppe bei 15,5 Monaten.

Univ.-Prof. Dr. Peter Schmid, Erstautor der Studie und Klinischer Direktor des Brustkrebszentrums an der St. Bartholomew’s-Klinik in London, sagte dazu: „Atezo- lizumab in Kombination mit Nab-Paclitaxel ist die erste zielgerichtete Therapie, die beim triple-negativen Brustkrebs das Überleben verbessert. Es handelt sich auch um die erste Immuntherapie, welche die Behandlungs- ergebnisse bei Brustkrebs insgesamt erhöht. Den größten Vorteil haben die Patientinnen mit PD-L1-positiven Tumoren.“

Die Studie zeigt das Potenzial der moder- nen Immuntherapie auch beim Mamma- karzinom. „Die Ergebnisse werden die Art und Weise verändern, wie triplenegativer Brustkrebs behandelt wird“, stellten die Autoren der wissenschaftlichen Unter- suchung fest, die auch im New England Journal publiziert worden ist. Mit dabei eben: österreichische Kliniken.

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Wolfgang WAGNER
Gesundheitsjournalist

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