PRAEVENIRE Präsident Schelling: Prävention muss ermöglicht und vorsorgendes Handeln eingefordert werden

Vorhandene Potenziale müssen genützt und die Menschen motiviert werden, mehr für ein gesundheitsbewusstes Leben zu tun

Weiterführende Informationen zum Weißbuch-Themenkreis „Ausbildung“ finden Sie unter folgendem Link: Weißbuch-Kapitel „Prävention“

Die Lebenserwartung in Österreich ist unter den OECD-Ländern mittlerweile eine der höchsten. Die Zahl der gesunden Lebensjahre ist jedoch nicht befriedigend: Österreich liegt hier mit knapp 60 beschwerdefreien Jahren nur im internationalen Mittelfeld. 

„Um das österreichische Gesundheitssystem nachhaltig zu entlasten, muss das Thema Prävention verstärkt in gesundheitspolitische Agenden integriert werden“, erklärt PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling. Man müsse weg von der Reparaturmedizin und die Präventivmedizin stärken. „Um mehr gesunde Lebensjahre zu erreichen, brauchen wir eine Vision“, ergänzt Prof. Dr. Robin Rumler, Geschäftsführer der Pfizer Corporation Austria, Vizepräsident des Verbands der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) sowie wissenschaftlicher Beirat für Prävention und Kommunikation im PRAEVENIRE Scientific Council. „Dafür müssen wir messbare Ziele vorgeben und auch einfordern“, so Rumler. In der Verantwortung stünden bei diesem gesellschaftspolitischen Thema alle Akteure, also Personen des Bildungswesens ebenso wie Ärztinnen und Ärzte bis hin zum Pflegepersonal sowie die Politik.

Die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 vertritt die Ansicht, dass es in der Eigenverantwortung der Menschen liegt, Präventionsangebote in Anspruch zu nehmen. Diese Eigenverantwortung kann allerdings nur dann eingefordert werden, wenn die Menschen ausreichend über Gesundheitskompetenz verfügen sowie einfach zugängliche Hilfestellung für ihre jeweilige Situation erhalten. Dem Leitbild der WHO folgend – „make the healthy choice the easy choice“ –, müssen Präventionsinitiativen in Form von Anreizsystemen verständlich, positiv und niederschwellig aufbereitet sein. „Es muss versucht werden, beides – Gesundheitskompetenz und Prävention – in allen Lebensbereichen zu fördern, indem bestehende Programme wie der Mutter-Kind-Pass oder die Krebsvorsorge ausgeweitet und Anreizmodelle geschaffen werden. Entsprechende Zuständigkeiten sind dafür festzulegen“, so Schelling.

Um eine gesundheitsfördernde Gesamtpolitik im Sinne der Patientinnen und Patienten zu realisieren, empfiehlt PRAEVENIRE folgende vier Optimierungsprogramme mit konkreten Handlungsempfehlungen: 

  • Betriebliches Gesundheitsmanagement massiv stärken
    Durch betriebliche Gesundheitsförderung können Krankheitstage wesentlich reduziert werden. PRAEVENIRE fordert daher den Ausbau des betrieblichen Gesundheitsmanagements für alle Betriebe, insbesondere auch für Einzelunternehmen, die derzeit von der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) nicht berücksichtigt werden.
    Die Auswirkungen von Corona haben neue Telearbeitsmodelle erforderlich gemacht, auf die es jetzt zu reagieren gilt, um zu verhindern, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch die Verschmelzung der privaten und beruflichen Welt im Homeoffice ausbrennen. Hier gilt es, arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen rasch zu adaptieren, um Burnout durch ständige Erreichbarkeit entgegenzuwirken
  • Gesellschaftlichen Wert von Prävention steigern 
    Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema Gesundheit startet beim noch ungeborenen Kind. Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen müssen dahingehend adaptiert werden, klare Anreizsysteme für Eltern zu schaffen. Die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 fordert darüber hinaus, die Mutter- Kind-Pass-Untersuchungen bis zum 18. Lebensjahr auszuweiten. Wer sich aktiv um die Gesundheit seines Kindes kümmert, soll mehr Kinderbetreuungsgeld erhalten.
  • Physikalische Präventionsmaßnahmen setzen 
    Ein bewegungszentrierter Lebensstil muss unterstützt werden. Im Zuge dessen sollen Kassenverträge für Physio- und Trainingstherapie mit Fokus auf physische sowie pädagogisch-psychologische Trainingsziele ausverhandelt werden. 
  • Zugang zu Daten muss geschaffen werden
    Prävention braucht klare Kosten-Nutzen-Analysen auf Basis von Evidenz. Gesundheitsdaten müssen im Rahmen eines sicheren Datenzugriffs gemäß datenschutzrechtlicher Vorgaben nutzbar gemacht werden, um den Status quo für Medizin und Politik verfügbar zu machen. 
    Die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 fordert darüber hinaus die Ausrollung und gesetzliche Verankerung des elektronischen Impfpasses, der dazu beitragen soll, risikobehafteten Lücken im Impfplan entgegenzusteuern.

Vorhandene Potenziale nützen

In der Prävention muss schon bei den Jüngsten angesetzt werden. „Ein Gedanke wäre, in der Volksschule ein Projekt zu starten, im Rahmen dessen für die erste bis vierte Klasse ein Programm entwickelt wird, das jedes Jahr eine Woche oder einen Monat unter das Motto „Meine Gesundheit“ stellt. Hier können wichtige Themen wie gesundes Essen, Unfallprävention, Hygiene, die Bedeutung von Medikamenten oder den respektvollen Umgang mit Menschen mit Behinderung gehen“, so Rumler. Ein wichtiger Aspekt der Prävention, der von der Volksschule an, über alle Altersgruppen verstärkt angesprochen werden muss, ist das Thema Impfen. „Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen. Etliche Infektionskrankheiten sehen wir aufgrund von Impfungen in unseren Breiten gar nicht mehr und bei neu auftretenden wie Corona konnten wir im letzten Jahr hautnah miterleben, was moderne Impfstoffforschung innerhalb kürzester Zeit auf die Wege bringen kann“, betont Rumler und ergänzt: „Die Frage ,Impfen: Ja oder Nein´ ist wissenschaftlich gelöst und muss nicht mehr diskutiert werden, darüber sollte heute jedes Kind Bescheid wissen“. 

Auch Apotheken spielen in der Präventionsarbeit als niederschwellige Anlauf- und Auskunftsstelle für Gesundheitsfragen sowie für die eigenverantwortliche Pflege der Gesundheit eine wichtige Rolle. „Deshalb sollte das Potenzial der Pharmazeutinnen und Pharmazeuten vollständig eingesetzt, ihr Fachwissen vermehrt genutzt und die Durchführung primärpräventiver Gesundheitsmaßnahmen über Pilotprojekte hinaus ermöglicht werden“, regt Mag. pharm. Monika Aichberger, Vizepräsidentin der Apothekerkammer Oberösterreich an.

„In Österreich kümmert sich kaum jemand nachhaltig um Prävention. Wir könnten vielzählige chirurgische Eingriffe verhindern, wenn die Menschen von Kindheit an lernen, ihre Muskeln richtig, also auf Basis von Kraft-Ausdauer-Training, zu pflegen“, erklärt Dr. Andreas Stippler, MSc, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie. Aktuell fließt in Österreich das meiste Geld nach wie vor in die chirurgische Arbeit. Dabei könnten Patientinnen und Patienten profitieren, wenn verstärkt unter biopsychosozialen Blickwinkeln gearbeitet werden würde und der Muskel in seiner ursprünglichen Konstitution ein Revival erfahren dürfte: Vor allem Menschen ab 50 empfiehlt er zwei Mal wöchentliches Kraft-Ausdauer-Training, bei dem auf ausreichende Wiederholungskreisläufe geachtet wird. „Der Effekt wird nach drei bis vier Monaten sichtbar und spürbar sein“, motiviert Stippler auch all jene, die sportlich bisher nicht aktiv waren. „Es ist nie zu spät für den ersten Schritt.“

„Was für Junge gilt, kann ohne weiteres auch auf Ältere umgelegt werden: Es muss ein Anreiz zum Mitmachen da sein, beispielsweise in Form von Role Models“, ergänzt Rumler abschließend.

PRAEVENIRE Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ an Bundes- und Landesregierungen überreicht

Gemeinsam mit mehr als 500 Gesundheitsexpertinnen und –experten erarbeitete PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling neue Lösungsmodelle für das österreichische Gesundheitssystem. Im Fokus des Weißbuches steht die Entwicklung einer Strategie, wie ein modernes und krisenfestes Gesundheitssystem für die österreichische Bevölkerung erhalten und auf ein nächstes Level transferiert werden kann.

Das Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“, das konkrete Handlungsempfehlungen für die Bundes- und Landesregierungen gibt, wurde im Oktober 2020 Bundeskanzler Sebastian Kurz, Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer und Nationalratspräsident Mag. Wolfgang Sobotka überreicht.

Weiterführende Informationen zum Weißbuch-Themenkreis „Ausbildung“ finden Sie unter folgendem Link: Weißbuch-Kapitel „Prävention“

Verpassen Sie keine PRAEVENIRE-News mehr
mit unserem Newsletter

Scroll to Top