PRAEVENIRE Präsident Schelling: Müssen bei Gesundheitsberufen berufsständische Silos aufbrechen und Rechte stärken

Eva Höltl und Elisabeth Messinger plädieren darauf, Berufsbilder, Kommunikation und Technologien an heutige Anforderungen in der Versorgung anzupassen

Weiterführende Informationen zum Weißbuch-Themenkreis „Gesundheitsberufe“ finden Sie unter folgendem Link: Weißbuch-Kapitel „Gesundheitsberufe“

Österreich hat bestens ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitsbereich. In vielen Fällen werden sie aber nicht ihrer Qualifikation entsprechend eingesetzt, weil die Berufsrechte zu eng gefasst sind oder auch Doppelgleisigkeiten bestehen. „Aufgrund des demografischen Wandels, vor allem der steigenden Alterung der Gesellschaft, müssen die Tätigkeitsfelder der Gesundheitsberufe evaluiert, Anforderungen zukunftsgerecht definiert, Ausbildungsprofile strukturiert und Berufsrechte entsprechend angepasst werden“, regt Dr. Hans Jörg Schelling, Präsident der PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030, an. 

Ziel ist es, den Gesundheitsberufen in Österreich die Wertschätzung entgegenzubringen, die dem Stellenwert und der Bedeutung für ein Gesundheitswesen am Puls der Zeit entspricht. Daher empfiehlt die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 folgende drei Optimierungsprogramme mit konkreten Handlungsempfehlungen als Sofortmaßnahmen: 

1 Kompetenzen bündeln – berufsständische Silos aufbrechen:

Gesundheitsberufe sind verstärkt als Teil des Gesamtversorgungsprozesses zu verstehen. In diesem Sinne ist eine Primärversorgung intensiver auszurollen, die der Ärzteschaft, Therapeuten, Pflegeberufen und der Apothekerschaft eine vernetzte Teamarbeit auf Augenhöhe ermöglicht.

2 Arbeitsbelastung gegensteuern – Personalmangel führt zu Versorgungsnot und kostspieliger Überlastung:

Personalschlüssel müssen definiert, Veröffentlichungspflichten etabliert werden. Zur Berechnung des Personalbedarfs braucht es eine klare, gesetzlich verbindliche und österreichweite Vorgabe. Ziel muss die Vereinheitlichung der derzeit unterschiedlichen bzw. fehlenden Schlüssel in den Bundesländern sein. PRAEVENIRE geht prinzipiell von einem Mehrbedarf an Pflegepersonal von 20 Prozent aus.

3 Berufsrechtliche Regeln adaptieren – bedarfsorientierte Veränderung herbeiführen:

Es bedarf eines Leistungskataloges für den niedergelassenen Bereich, um nicht notwendige Weiterüberweisungen an Krankenhäuser zu vermeiden, die Überarbeitung von Kassenverträgen für höhere Flexibilität, Attraktivierung der Rahmenbedingungen zur Niederlassungen außerhalb der Städte und die Erweiterung des Gesundheitsberuferegisters.

„Das Berufsrecht ist an heutige Anforderungen in der Versorgung in Abstimmung zwischen Ärztinnen, Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten, Pflegepersonal, Hebammen, dem gehobenen med.-techn. Dienst sowie der Apothekerschaft anzupassen und muss sich stets an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientieren“, fasst Schelling zusammen. 

Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner wichtig für Prävention

Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner leisten einen wichtigen Beitrag, um rund 4 Millionen Beschäftigte in österreichischen Unternehmen zum Thema „gesundes arbeiten“ zu betreuen. „Gerade die Situation im letzten Jahr hat gezeigt, welchen wertvollen Beitrag Arbeitsmedizinerinnen leisten können, in Fragen der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, Infektionsschutz, aber auch dem Vermitteln von Gesundheitskompetenz durch regelmäßige und verständliche Information und Kommunikation in schwierigen Zeiten. Die Herausforderungen werden nicht weniger werden, da sich unsere Arbeitswelten nach Ende dieser Pandemie ändern werden. Es stellen sich Fragen, wie wir Rahmenbedingungen so gestalten können, dass Menschen gesund und effizient arbeiten können und wir die Chancen der Digitalisierung bestmöglich nutzen.“, meint Dr. Eva Höltl, Arbeitsmedizinerin und Leiterin des Gesundheitszentrums der Erste Bank Group AG.

In Deutschland etwa hat die Tätigkeit der Arbeitsmedizin mit dem Präventionsgesetz eine Aufwertung erfahren und könnte so im Bereich Prävention als Vorbild dienen. 

Stärkere Einbindung der Krankenhausfachapothekerinnen und -apotheker durch die Elektronische Fieberkurve 

Elektronische Verordnungssysteme und Klinische Pharmazeutinnen und Pharmazeuten unterstützen Ärztinnen und Ärzte und Pflegepersonal bei der Gewährleistung einer Arzneimitteltherapie auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse.

„Eine gemeinsame Kommunikationsplattform von Ärzten und Krankenhausapothekern im Zuge der Visite vereinfacht das Zusammenlaufen aller wesentlichen Informationen für die systematische elektronische Verschreibung der Medikation“, berichtet Mag. pharm. Dr. Elisabeth Messinger, aHPh, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhauspharmazie. 

Das dafür eingesetzte zentrale Instrument ist die Elektronische Fieberkurve. Sie trägt zur Verbesserung der Qualität und Effizienzsteigerung bei und fördert so die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS). Eine Verknüpfung des intra- und extramuralen Bereiches in der Elektronischen Fieberkurve schafft zukünftig die Möglichkeit eines nahtlosen, fehlerfreien Medikationsprozesses für Patientinnen und Patienten und eine verbesserte Kooperation zwischen Krankenhaus und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten. „In Österreich fehlt der einheitliche Standard für die Möglichkeit des Datentransfers zwischen den unterschiedlichen Trägern. Diese Digitalisierungslücke muss gemäß dem europäischen Umfeld geschlossen werden. Der spezifische Zugang zur elektronischen Fieberkurve für alle Gesundheitsberufe mit Patientenbezug ist unabdingbar“, betont Messinger.

„Die Patientinnen und Patienten müssen anstelle von standespolitischen Wünschen im Zentrum der Versorgung stehen. Bei all den Herausforderungen, die der demografische und technologische Wandel in Bezug auf die Gesundheitsberufe mit sich bringt, gilt es, Änderungen im Sinne der Patientinnen und Patienten stets menschlich und feinfühlig umzusetzen“, appelliert Schelling abschließend. 

PRAEVENIRE Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ an Bundes- und Landesregierungen überreicht

Gemeinsam mit mehr als 500 Gesundheitsexpertinnen und –experten erarbeitete PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling neue Lösungsmodelle für das österreichische Gesundheitssystem. Im Fokus des Weißbuches steht die Entwicklung einer Strategie, wie ein modernes und krisenfestes Gesundheitssystem für die österreichische Bevölkerung erhalten und auf ein nächstes Level transferiert werden kann.

Das Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“, das konkrete Handlungsempfehlungen für die Bundes- und Landesregierungen gibt, wurde im Oktober 2020 Bundeskanzler Sebastian Kurz, Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer und Nationalratspräsident Mag. Wolfgang Sobotka überreicht.

Weiterführende Informationen zum Weißbuch-Themenkreis „Gesundheitsberufe“ finden Sie unter folgendem Link: Weißbuch-Kapitel „Gesundheitsberufe“

Aviso

Vom 19. bis 21. Mai 2021 finden im niederösterreichischen Stift Seitenstetten die 6. PRAEVENIRE Gesundheitstage statt. Die Essenzen und Erkenntnisse der dabei stattfindenden Vorträgen und Diskussionen bilden die Basis für die nächste Ausgabe des Weißbuchs „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ (Version 2021/22). 

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