Maßnahmen in der Gesundheitsversorgung müssen verbessert werden, um sinnvolle Versorgungsziele zu erreichen

Viertes Gipfelgespräch für die Erstellung des PRAEVENIRE Weißbuchs „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ abgeschlossen

Wien (OTS) – Die Bundesgesundheitskommission und das Gesundheitsministerium haben 2012 zehn Ziele für eine gesundheitsförderliche Gesamtpolitik beschlossen. Ausgehend von den Menschen – was diese wann, wo, von wem und in welcher Form benötigen – waren sich Expertinnen und Experten einig, dass sowohl die Versorgung in Österreich gestärkt werden muss als auch die Therapie, sowohl bei weit verbreiteten Lebensstilerkrankungen als auch bei seltenen Erkrankungen, verbessert werden muss. Nur so könne man der Erreichung der Gesundheitsziele einen entscheidenden Schritt näher kommen. 

Management bei Lebensstilerkrankungen verbessern

Für die Versorgung spezieller Krankheitsbilder, wie beispielsweise Diabetes, wurden Disease-Management-Programme entwickelt. Allerdings haben diese bislang nur sehr geringe Akzeptanz gefunden haben. Generell hinke Österreich in der Behandlung von Diabetes im europäischen Vergleich hinterher. So liegt die Zahl der damit zusammenhängenden Amputationen deutlich über dem Niveau anderer Länder, wobei die skandinavischen Staaten hier Vorbilder sein können. Beispiele aus Dänemark und den Niederlande zeigen, dass multiprofessionelle Diabetesversorgungszentren, in denen Fachärzten, Diätologen und andere Gesundheitsdienstleister Patientinnen und Patienten mit einem vielfältigen Therapieangeboten aus einer Hand versorgen, gute Ergebnisse in der Behandlung zeigen. Generell sei, um die Therapietreue möglichst hoch zu halten, eine professionelle Begleitung notwendig. Auch müsse in gleicher Sprache über Maßnahmen gesprochen werden.

Wichtig sei die Früherkennung, gerade bei weit verbreiteten Lebensstilerkrankungen wie Diabetes und Hypertonie, denn dadurch können Folgeschäden und damit Kosten vermieden werden. Hier können vor allem Apotheken mit ihrem niederschwelligen Zugang bei gleichzeitig hoher Kundenfrequenz sowie flächendeckenden Standorten einen wichtigen Beitrag leisten. Generell gelte es, so die Meinung der Expertinnen und Experten, das Präventionsverhalten zu stärken. Hier müsse schon bei jungen Menschen ab dem Kindergartenalter angesetzt und nachhaltig Gesundheitskompetenz aufgebaut werden. 

Versorgung mit Arzneimittel und Medizinprodukte stabilisieren

Arzneimittel sind ein wesentlicher Teil der Gesundheitsversorgung der österreichischen Bevölkerung. Die aktuelle Entwicklung zeigt allerdings deutlich, dass diese im Moment nur unzureichend gegeben ist. Die Forderung nach einer Rückholung der Produktion nach Europa und Österreich im speziellen sei, so sind sich die Expertinnen und Experten einig, in der Praxis nicht so einfach zu realisieren. Neben Rohstoff-, Standort- und Umweltbedenken, sei es auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit, die in vielen Fällen gegen eine Produktion in Europa spreche. Als realistisch erachten sie, die Lagerbestände zu erhöhen. Auch dazu müsse man neue Wege beschreiten, wie beispielsweise Privat-Public-Partnership (PPP)-Modelle, da pharmazeutische Betriebe nicht allein die Last einer deutlich höheren Lagerhaltung tragen können. Um den Standort Österreich für die Herstellung von Medizinprodukte zu stärken, muss es hierzulande eine zertifizierte Zulassungsstelle geben. 

Mit Hilfe der Digitalisierung und bereits in ELGA integrierten Modulen, sollte eine bessere Abstimmung der Arzneimitteltherapie zwischen extra- und intramuralem Bereich erzielt werden. Zu überdenken sei auch die derzeitige Verschreibungspraxis, die ein flexibles Ausweichen auf ein verfügbares, wirkstoffgleiches Produkt erschwere und oftmals zu Irritationen bei Patientinnen und Patienten führt und zu Lasten der Therapietreue gehe. Ein weiterer Ansatzpunkt bei chronischen bzw. seltenen Erkrankungen seien digitale Anwendungen. Zum einen können Patientinnen und Patienten damit den eigenen Gesundheitszustand selbständig und engmaschiger beobachten. Zum anderen ließen sich durch Auswertung von Arzt-Konsultationen Hinweise auf noch nicht diagnostizierte seltene Erkrankungen erreichen, die Patientinnen und Patienten eine frühere spezifische Therapie ermöglichen.

Beim Themenkreis Versorgungs- und Gesundheitsziele für das Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ wirken u.a. mit:

Mag. pharm. Monika Aichberger, Dr. Wolfgang Andiel, Dr. Gerald Bachinger, Dr. Alexander Biach, Dr. Michael Binder, Dr. Thomas Czypionka, Mag. pharm. Dr. Alexander Hartl, Irmgard Himmelbauer, MSc, HR Dr. Thomas Holzgruber, Andreas Huss, MBA, Mag. Martina Laschet, Mag. Philipp Lindinger, Dr. Sabine Möritz-Kaisergruber, Mag. Martin Schaffenrath, MBA, MBA, MPA, ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, PhD, Mag. pharm. Thomas W. Veitschegger, Dr. Monika Vögele, Mag. Manfred Vogl, Dr. Andreas Windischbauer, DI Dr. Christa Wirthumer-Hoche (Stand 25.3.2020)

PRAEVENIRE Weißbuch

„Bei der Erarbeitung des PRAEVENIRE Weißbuchs kommen wir mit den Gipfelgesprächen in die finale Phase. Ziel ist dabei das Erreichen eines Konsenses von zumindest 75 Prozent über die Vorschläge und Inhalte unter den mitwirkenden Expertinnen und Experten sowie Kooperationspartnern“, so PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling.

Bis Ende April finden zu den 15 Themenkreisen die abschließenden Gipfelgespräche statt. Im Mai erfolgt im Rahmen der 5. PRAEVENIRE Gesundheitstage im Stift Seitenstetten die Präsentation und Diskussion des Weißbuchs „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ (Version 2020) durch PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling. Auch wird im Mai die Übergabe des Weißbuchs an die Bundesregierung und die Landesregierungen erfolgen.

5. PRAEVENIRE Gesundheitstage im Stift Seitenstetten

Die 5. PRAEVENIRE Gesundheitstage im Stift Seitenstetten finden vom 14. – 16. Oktober 2020 statt. In diesen Tagen wird der Verein PRAEVENIRE mit dem Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ Version 2020 sowohl erste Vorschläge zur Optimierung der Gesundheitsversorgung präsentieren als auch mit Top-Expertinnen und –Experten an einer Weiterentwicklung arbeiten.

Informationen zu Programm und Anmeldung

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