Forschung als Motor für den Pharma- und Medizinprodukte-Standort Österreich

Sechstes Gipfelgespräch für die Erstellung des Weißbuchs „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ der PRAEVENIRE Initiative abgeschlossen

Wien (OTS) – Bereits vor und insbesondere seit Ausbruch der Corona-Krise wird der Ruf immer lauter, die Produktion von Arzneimitteln und Medizinprodukten wieder nach Europa zu holen. Der Wirtschaftsstandort Österreich bietet dabei gute Grundvoraussetzungen, allerdings müsse noch an einigen Stellschrauben gedreht werden, um weitere Betriebe und Produktionen ins Land zu bekommen, attestierten Expertinnen und Experten beim PRAEVENIRE Gipfelgesprächs zum Thema Standortpolitik. Vor dem Hintergrund der Konzentration der Produktion in China und Indien aufgrund steigenden Preisdrucks und einer in Folge fragileren Versorgungslage, sehen sie es als ein nationales Interesse, Forschungszentren und Produktion in Österreich zu etablieren, zu erhalten und zu erweitern.

Eine breitflächige Verlagerung der Produktion von Arzneimitteln und Medizinprodukten nach Europa sehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer als nicht realistisch. In Teilbereichen würden sich aber gute Möglichkeiten ergeben, bei denen Österreich eine realistische Chance hat, als Standort gewählt zu werden. 

Forschung stärker fördern

Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Forschung und vor allem der klinischen Forschung zu, die man deutlich unterstützen und aufwerten müsse, so die Expertinnen und Experten. Derzeit hätte Österreich die geringste Forschungsförderung für klinische Studien in Europa. Probleme in der europäischen Forschung bereite in manchen Fällen auch der Datenschutz, hier seien Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in anderen Regionen in einer deutlich besseren Situation. 

Österreich verfüge zwar über gut ausgebildete Fachkräfte, allerdings fehle eine wirkliche Exzellenzförderung. Beispiele wie das Institute of Science and Technology Austria in Klosterneuburg oder das Vienna BioCenter seien Best-Practice-Beispiele für Forschungsstandorte, die auch für internationale Wissenschafter attraktiv sind. Auch wäre stärkerer Wettbewerb um Forschungsaufträge durchaus marktbelebend. 

Standort stärken

Einig waren sich die Expertinnen und Experten, dass eine Verlagerung von Produktionen nach Europa nur in jenen Bereichen realistisch wäre, in denen der Preisunterschied gegenüber den derzeitigen Herstellern nicht allzu groß ist. In allen anderen Fällen müssten alternative Maßnahmen gesetzt werden, um sich aus der derzeitigen Abhängigkeit der Produzenten zu lösen. Hier müsse vor allem bei der Lagerlogistik und den Transportwegen angesetzt werden. Zu überdenken sei auch die derzeitige Preisregelung, die auf Grund der zu geringen Margen Anbieter aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Markt dränge und so zu einer Verknappung der Versorgungslage beitrage sowie einer Betriebsansiedlung im Weg stehe. Um vor allem Medizinprodukte-Hersteller für den Standort Österreich zu gewinnen, sei es notwendig, dass es wieder eine nationale Zulassungsstelle gäbe und Bürokratie abgebaut werde, um Verfahren zu beschleunigen. 

Beim Themenkreis Standortpolitik für das Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ wirken u.a. mit: 

Dr. Wolfgang Andiel, Dr. Gerald Bachinger, Dr. Alexander Biach, Dr. Thomas Czypionka, Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant, Mag. Alexander Herzog, Andreas Huss, MBA, Dr. Markus Marterbauer, Dr. Sabine Möritz-Kaisergruber, Prof. Dr. Robin Rumler, Mag. Martin Schaffenrath, MBA, MBA, MPA, Mag. Christa Schlager, ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, Mag. pharm. Thomas Veitschegger, Mag. pharm. Ulrike Walther (Stand 30.3.2020)

PRAEVENIRE Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“

„Wir konnten bereits für ein Drittel der geplanten 15 Themenkreise die finale Phase abschließen. Ziel ist dabei das Erreichen eines Konsenses von zumindest 75 Prozent über die Vorschläge und Inhalte unter den mitwirkenden Expertinnen und Experten sowie Kooperationspartnern. Ich möchte mich bei den Mitwirkenden aller Themenkreise bedanken, dass sie, trotz der derzeitigen Situation, mit großem Engagement an der Erstellung des Weißbuches arbeiten“, so PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling.

Bis Ende April finden zu den 15 Themenkreisen die abschließenden Gipfelgespräche statt. Im Mai erfolgt im Rahmen der 5. PRAEVENIRE Gesundheitstage im Stift Seitenstetten die Präsentation und Diskussion des Weißbuchs „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ (Version 2020) durch PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling. Auch wird im Mai die Übergabe des Weißbuchs an die Bundesregierung und die Landesregierungen erfolgen.

5. PRAEVENIRE Gesundheitstage im Stift Seitenstetten

Die 5. PRAEVENIRE Gesundheitstage im Stift Seitenstetten finden vom 14. – 16. Oktober 2020 statt. In diesen Tagen wird der Verein PRAEVENIRE mit dem Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ Version 2020 sowohl erste Vorschläge zur Optimierung der Gesundheitsversorgung präsentieren als auch mit Top-Expertinnen und –Experten an einer Weiterentwicklung arbeiten.

Informationen zu Programm und Anmeldung

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