Priority: Österreichs Onkologie- Forschung im Mittelpunkt MURANO-Studie

rezidivierter/refraktärer chronisch lymphatischer Leukämie

Deutlich verbesserte Therapiemöglichkeiten bei rezidivierter/refraktärer chronisch lymphatischer Leukämie (CLL)

Nach einem Rückfall nach der Erstbehandlung oder bei Nichtansprechen auf die Therapie bleibt die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) unheilbar. Ein deutlicher Fortschritt ist in diesen Fällen eine Kombinationsbehandlung mit Rituximab (B-Zell-gerichtet) und einer Inhibierung des antiapoptotischen Proteins BCL-2. Das hat eine internationale Phase-III-Studie (MURANO) ergeben. Als Co-Autor beteiligt war Univ.-Prof. Dr. Ulrich Jäger (MedUni Wien/AKH). Die Wissenschafter unter J. F. Seymour (Abteilung für Hämatologie am Peter Mac- Callum Cancer Centre/Melbourne) als Erstautor nahmen in die randomisierte Open-Label-Studie insgesamt 389 Patienten auf. Es handelte sich um CLL-Kranke mit einer bis drei Vorbehandlungen (zumindest eine davon mit einem Chemotherapeutikum). 194 Patienten erhielten den BCL-2-Hemmer Venetoclax über einen Zeitraum von zwei Jahren, in den ersten sechs Monaten wurden sie zusätzlich mit Rituximab behandelt. In der Vergleichsgruppe (195 Patienten) bestand die Therapie aus Bendamustin und Rituximab. Der primäre Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (durch die behandelnden Ärzte bestimmt).

BCL-2 – in klinischen Studien in Wien „altbekannt“
BCL-2 spielt offenbar bei einer Reihe von Krebserkrankungen eine Rolle. Es handelt sich um einen von bösartigen Zellen oft vermehrt exprimierten Faktor, der sie bei (auch durch die Therapie ausgelösten) Schädigungen vor dem programmierten Zelltod (Apoptose) schützt. Vor rund 20 Jahren haben Dermatologen der Wiener Universitäts-Hautklinik um Univ.-Prof. Dr. Hubert Pehamberger mit einer BCL-2-Antisense-Therapie beim fortgeschrittenen metastasierten Melanom Behandlungserfolge erzielt. Mit Venetoclax wurde der Weg der BCL-2-Inhibierung neu beschritten. Das Protein wird beispielsweise bei CLL, beim Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) und bei anderen Lymphomen überexprimiert. Beim Jahreskongress der American Society of Hematology (ASH) Ende 2017 wurden die Daten der MURANO-Studie präsentiert. Im Frühjahr 2018 erfolgte die vollständige Publikation der Untersuchung im „New England Journal of Medicine“.

Gute Ergebnisse

Die Ergebnisse waren nach einer medianen Beobachtungszeit von 23,8 Monaten ausgesprochen gut:
• Die Rate des progressionsfreien Überlebens betrug in der Gruppe der mit Rituximab und Venetoclax Behandelten 84,9 Prozent – in der Vergleichsgruppe (Rituximab/Bendamustin) 36,3 Prozent (p < 0,001) – und war damit statistisch hochsignifikant.

• Bei den Patienten mit einem zusätzlichen Gen-Marker (Chromosom-17p-Deletion) wurde eine Zwei-Jahres-Rate beim PFS von 81,5 Prozent erzielt (Vergleichsgruppe: 27,8 Prozent).

• In der Gruppe der Patienten ohne Chro- mosom-17p-Deletion wurden PFS-Raten von 85 Prozent bzw. 41 Prozent erzielt.

• Die positiven Resultate wurden über alle Patientengruppen hinweg registriert.

Die Schlussfolgerungen der Autoren: „Bei Patienten mit einem Rückfall oder therapierefraktärer chronisch lymphatischer Leukämie bedeutete die Therapie mit Venetoclax plus Rituximab signifikant höhere Raten beim PFS als unter Bendamustin plus Rituximab.“ Die aktuellste Änderung im Zulassungsstatus von Venetoclax fand in den USA statt: Am 8. Juni wurde Venetoclax in Kombination mit Rituximab von der US-Arzneimittelbehörde FDA als Therapie mit festgelegter Dauer für Patienten mit CLL oder SLL (Small Lymphocytic Lymphoma) mit oder ohne Chromosom-17p-Deletion zugelassen, die vorher bereits eine andere Therapie erhalten haben. Ausschlaggebend dafür war die MURANO-Studie (finanziert von Genentech und Abbvie). Venetoclax ist als Monotherapie bereits in zahlreichen Staaten zugelassen.

UNTERSTÜTZER DES SEITENSTETTENER MANIFESTS

(STAND 31. 07. 2018):

Abbvie GmbH | Gilead Sciences GmbH | Merck GesmbH | Pfizer Corporation Austria GmbH | Roche Austria GmbH

Wolfgang WAGNER
Gesundheitsjournalist

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