Gesundheit für alle: Impfen & Kommunikation

Wie funktioniert Innovation, wie kommen Impfempfehlungen zustande, wie beeinflussen psychologische Faktoren und Gesundheitskompetenz das Impfverhalten? 4 Expertenantworten aus Seitenstetten.

Über 18 Millionen Impfungen wurden im Rahmen der Covid-19-Pandemie zum Schutz der Bevölkerung verabreicht. Während für den Großteil der Bevölkerung der Nutzen und die Sicherheit der Impfstoffe außer Frage stehen, reagiert rund ein Viertel der Bevölkerung mit einer klaren Ablehnung auf die Möglichkeit einer Schutzimpfung. Das PRAEVENIRE Gesundheitsforum hat sich dieses wichtigen Themas mit dem Block „Gesundheit für alle – Fokus Impfen & Kommunikation“ angenommen, in dem namhafte Expertinnen und Experten zum Wort kamen.

Christoph Huber: Innovationen verbessern das Leben

In seinem Vortrag unter dem Motto „Akademische Forschung als Innovationsmotor“ ging Christoph Huber, BioNTech-CoGründer und einer der „Väter“ der Covid-Impfung, auf die Etappen und den Kreislauf der Innovation ein: „Es entsteht in der Academia, man muss diverse innovative Konzepte prüfen, dann selektioniert man, fokussiert, wählt die besten aus, kommerzialisiert, bringt Proof of Concept und geht dann in eine globale Entwicklung hinein, wenn die Daten das rechtfertigen.“ Am Schluss müsse alles wieder in die Academia zurückkommen, in Form des Teilens der Erfolge, finanziell, aber auch ideell. „Das sind die Kreise, die Innovationen ziehen, und es gilt ein Bewusstsein in der Gesellschaft zu stärken, dass es hier nicht um etwas geht, das von Geld, Gier oder Ehrgeiz getrieben wird“, so Huber. Es gehe um Medizin für die Menschen und das Ziel kann nur erreicht werden, wenn auf allen Entwicklungsstufen in sinnvoller Weise miteinander gearbeitet wird: „Wir konnten das im Fall der Covid-Impfung zeigen und das sollte uns Motivation für die Zukunft sein.“

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Ursula Wiedermann-Schmidt: der Prozess hin zur Impfempfehlung

Darüber wie Impfempfehlungen zustande kommen, referierte Ursula Wiedermann-Schmidt, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Vakzinologie (ÖgVaK): „Der Prozess hin zur Impfempfehlung läuft über die wissenschaftliche Beantwortung elementarer Fragestellungen. An erster Stelle steht die Evaluierung der Epidemiologie und Antworten auf die Fragen: Wen treffen Infektionskrankheiten und wie schwer?“ In der Folge müsse man sich Gedanken über die Verfügbarkeit von Impfungen machen, deren Effektivität prüfen und ein Nebenwirkungsprofil von Impfstoffen erstellen. Im Fokus steht zudem die Evaluierung des Benefits für die Allgemeinheit. Die Frage, ob es dank Impfung zu einer Infektions- oder einer Krankheitsreduktion oder zu beidem kommt, war insbesondere bei Covid von großer Bedeutung. Schlussendlich spielen auch die Kosten und Kosteneffizienz öffentlicher Impfprogramme eine große Rolle. Die Schlüsselfrage lautet dabei, ob man etwas für das gesamte Gesundheitswesen erreichen kann. Im Falle von Covid könne man laut Wiedermann-Schmidt jedenfalls ein positives Zwischenresümee ziehen: „Bis dato wurden elf Milliarden Impfdosen weltweit verimpft. Die in der Regel temporären Impfreaktionen entsprechen den Zulassungsstudien.“

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Barbara Schober: Impfverhalten durch Vertrauen fördern

 „Impfen gilt als eine der sichersten Mittel zum Schutz vor Krankheiten. Trotzdem liegt man oftmals weit unter der Impfquote, die gut wäre – und das nicht nur bei der Covid-Impfung. Um dies ändern zu können, lohnt ein Blick auf die Psychologie des Impfverhaltens“, meint Barbara Schober vom Institut für Psychologie der Entwicklung und Bildung an der Universität Wien. Impfen sei eine individuelle Entscheidung, die von verschiedenen psychologischen Faktoren abhängt, sie ist aber auch systemisch zu sehen, eingebettet in einen psychosozialen Gesamtrahmen. „Maßnahmen der Impfquotenerhöhung sollten zielgruppenspezifisch sein. Man muss Menschen abholen, wo sie stehen“, so Schober. Covid und der Krieg in Europa verunsichern, viele fühlen sich erschöpft. „In so einer Situation braucht es Transparenz und Glaubwürdigkeit. Will man das Impfverhalten beeinflussen, muss man Vertrauen fördern.“

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Eva Höltl: Vermittlung von Gesundheitskompetenz

Das Thema der Gesundheitskompetenz als „sozialer Impfstoff“ beleuchtet schließlich Eva Höltl, ÖgVaK-Vorstandsmitglied und Leiterin des Gesundheitszentrums der Erste Bank AG: „Wir haben einen sicheren, wirksamen Wirkstoff sowie Behörden, die behutsam mit der Materie umgehen – und dennoch Probleme bei der Akzeptanz in der Bevölkerung.“ Insofern müsse man Dinge verändern. Infektionsschutz sei eine globale Aufgabe, die es neu zu denken gilt. In einer Arbeitswelt, die sich massiv wandelt – Stichworte: hohe geografische Mobilität, OpenSpace-Konzepte, multinationale Belegschaften – lohnt es sich vor allem, die Rolle der Arbeitsmedizin neu zu gewichten: „Wenn es um die Vermittlung von Gesundheitskompetenz und Prävention geht, sollten wir gerade Arbeitsmediziner mit vernünftigen Aufgaben ausstatten und beauftragen. Ich bin mir sicher, dass wir in der Folge weit bessere Zahlen bei der Impfquote hätten, als es aktuell der Fall ist.“

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