Forschungsstandort Österreich: Schelling, Greil, Kamolz und Weltermann fordern stärkere Vernetzung der Disziplinen

Am Forschungsstandort Österreich muss nachgeschärft werden. Disziplinen müssen jetzt zusammenrücken, um gemeinsam mehr zu schaffen

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Durch den Trigger Corona wurde das Zusammenspiel von medizinischen und technologischen Potenzialen zur Selbstverständlichkeit. „Dieses Verständnis von interdisziplinärer High-End-Forschung braucht es nicht nur heute, sondern auch nach der Krise, um den Forschungsstandort Österreich auf einem hohen Niveau zu halten“, fordert Dr. Hans Jörg Schelling, Präsident der Gesundheitsplattform PRAEVENIRE. „Wir müssen in Österreich dringend Exzellenz-Cluster zu Spezialgebieten fördern, um Spitzenleistungen zu erzielen“, zeigt sich Schelling im Rahmen des aktuell erschienenen Weißbuchs „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ überzeugt.

Univ. Prof. Dr. Richard Greil, Leiter des Salzburger Cancer Research Institute und Cancer Cluster Salzburg, unterstreicht: „Die COVID Krise hat sehr deutlich gemacht, wie hoch der ökonomische und gesellschaftliche Gegenwert höchster Leistungen für die Gesundheit der Bevölkerung ist, und welchen Mehrwert dies für das wirtschaftliche Wohlergehen und den gesellschaftlichen Frieden unseres Landes darstellt. Dies steht im deutlichen Gegensatz zu der oft artikulierten Auffassung, das Gesundheitssystem sei vorwiegend ein belastender Kostenfaktor.“

Zudem sei Schelling zufolge die Politik auf EU-Ebene aufgefordert, europäische Forschungsförderung auf österreichische Leistungen aufmerksam zu machen und das Land als attraktiven Standort zu präsentieren. „Spezifische und vertiefende Wissenschaft und Forschung sind Voraussetzung für das zukünftige Wachstum der österreichischen Forschungslandschaft“ betont Schelling. 

„Eine stärkere interdisziplinäre Vernetzung ist für eine zukunftsträchtige Forschung daher unabdingbar“, wie auch Univ.- Doz. Dr. Ansgar Weltermann, Leiter des Zentrums für Tumorerkrankungen am Ordensklinikum Linz, verdeutlicht: „In der heutigen Zeit sollte Trans- und Interdisziplinarität als Chance betrachtet werden, um wissenschaftliche Fragestellungen zu erarbeiten, die zu einer nachhaltigen Qualitätsverbesserung in der Versorgung führen. Dies gilt für die Onkologie vielleicht mehr als für jedes andere Fachgebiet, weil Krebspatienten oftmals an verschiedenen Fachabteilungen behandelt werden“, erklärt Weltermann. Auch Univ.-Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz, Leiter der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie an der Medizinischen Universität Graz, betrachtet die Vernetzung der Forschung als einen der zentralen Punkte: „Vernetzte Forschung bedeutet Innovation durch Kooperation. Wir müssen größer denken, unsere Elfenbeintürme verlassen und über den Tellerrand hinausblicken.“

Österreich: Das „Brain“ der Forschung arbeitet mit knappen Budgets

Die aktuellen Herausforderungen werden insbesondere vor dem Hintergrund der knappen Grundlagenforschungsbudgets betrachtet: In Skandinavien kommen auf einen Einwohner derzeit 80 Euro, 54 Euro sind es in den Niederlanden, 40 Euro in Deutschland, aber nur 25 Euro in Österreich. Dieser Umstand erschwere Schelling zufolge die Situation, Forscherinnen und Forscher nach Österreich zu bringen und diesen auf lange Sicht ein attraktives Arbeitsumfeld zu bieten. Know-how und Produktionsstätten sind ins außereuropäische Ausland abgewandert, wodurch wir uns heute kritisch mit dem Thema Arzneimittel- und Medizinprodukteversorgung auseinander setzen müssen, wie die Corona Pandemie gezeigt hat. 

Chancen der Digitalisierung: Artifical Intelligence

Die Digitalisierung erlebt in Medizin und Forschung derzeit ihren Höhepunkt. Heute brennen Themen wie Wissensverdoppelung (das medizinische Wissen verdoppelt sich alle drei Monate), Artificial Intelligent Decision Support Systems (IDSS) zur Entscheidungsunterstützung von operativen und strategischen Aufgaben, Telemedizin, die Nutzung von Big Data oder Softwarelösungen in der personalisierten Präzisionsmedizin – Sektoren, die die Zukunft der Forschung immens prägen werden. „Digitale Technologien können den Wissenstransfer kanalisieren und bieten ungeahnte Möglichkeiten, Diagnose- und Therapieentscheidungen zu erleichtern, was sich vor allem auch im Umfeld der onkologischen Versorgung als essenziell erweist“, erläutert Schelling. 

Professor Dr. Greil führt fort: „Spitzenforschung in Klinik und deren Verbindung zu grundlagenwissenschaftlichen Untersuchungen, sowie Offenheit des Gesundheitssystems für klinische Innovation und deren frühe Implementierung in die Patientenbetreuung sind die Basis für ein erstklassiges Gesundheitssystem zu Gunsten der Bevölkerung und des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts Österreich. 

Alle Stakeholder müssen die Chancen nützen, die die COVID Krise in der Notwendigkeit zu beschleunigter Innovation im internationalen Vergleich mit sich bringen. Dabei muss dem wissenschaftlichen und medizinischen Entrepreneurship die notwendige Förderung zukommen, strukturelle und ökonomische Anreize müssen rasch gesetzt werden“, so Greil. 

„COVID darf uns nicht davon abhalten, über Zukunftsthemen zu sprechen und uns darum zu kümmern, im spitzenmedizinischen Bereich wettbewerbsfähig zu bleiben“, appelliert der PRAEVENIRE Präsident und ehemalige Finanzminister Schelling. 

PRAEVENIRE Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ an Bundes- und Landesregierungen überreicht

Gemeinsam mit mehr als 500 Gesundheitsexpertinnen und –Experten erarbeitete PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling neue Lösungsmodelle für das österreichische Gesundheitssystem. Im Fokus des Weißbuchs mit konkreten Handlungsempfehlungen für Bundes- und Landesregierungen steht die Entwicklung einer Strategie, wie ein modernes und krisenfestes Gesundheitssystem für die österreichische Bevölkerung erhalten und auf ein nächstes Level transferiert werden kann.

Das Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ wurde im Oktober 2020 Bundeskanzler Sebastian Kurz, Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer und Nationalratspräsident Mag. Wolfgang Sobotka überreicht. 

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